Also ich heute früh losging, ahnte ich noch nicht was passiert. Denn plötzlich war es da, hat sich langsam von hinten angeschlichen und sich dann in mir ausgebreitet. Das Gefühl, wieder uneingeschränkt auf dem Jakobsweg zu sein, gedanklich, mental und körperlich. Das Gefühl, dass man schwer in Worte fassen kann, und dass ich Jedem einmal wünsche würde, es zu erleben.

Ich war zwar die letzten sieben Tage auch auf dem Jakobsweg, aber schlussendlich erinnerte es mehr an eine Bergwanderung. Und sind wir mal ehrlich, 25 km pro Tag durchs Gebirge mit einem zehn Kilo-Rucksack ist schon ein bisschen bekloppt. Aber ich habe es geschafft. Bin bis an meine Grenzen gegangen und habe deswegen auch ein gutes Gefühl.
Auch auf dem Weg sieht man wieder vermehrt uralte Steinkreuze und Waschstellen für Pilger die hunderte Jahre alt sind.

Um es kurz zu machen, bis gestern war es Pflicht, ab Donnerstag beginnt die Kür mit dem Auslaufen. Die Schmerzen, die Qualen sind vergessen und ich freue mich auf Santiago der Compostela.

Nicht falsch verstehen, ich bin dankbar für die Erfahrung, habe die Landschaft und die Aussichten genossen, aber ehrlich, den Camino Primitivo werde ich in meinem Leben nicht mehr gehen. Und ich kann die 96 % Pilger verstehen, die ihn vernünftiger Weise nicht gehen.😄

Für den Rest des Weges kann ich mir übrigens viel Zeit lassen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn …tadaaaa…mein Rückflug wurde gecancelt. Ich fliege jetzt einen Tag später und habe damit einen Tag mehr Zeit, um den Rest zu bewältigen. Aber es gibt Einiges auf dem Weg, so dass mir bestimmt nicht langweilig wird.

Heute ging es bei 8° Außentemperatur los und man merkt, dass auch in Spanien der Herbst Einzug hält. Auch wenn es am Donnerstag und Freitag noch einmal über 30° heiß werden soll. Es ging auf relativ ebenen Wegen, mit leichten Hügeln, Richtung Lugo. Dabei habe ich heute die 200 km-Marke geknackt und damit 2/3 meines Weges geschafft.

Kleines Frühstück!

 

Morgenstimmung

 

Nur wenige Kilometer weiter, habe ich auch noch die 100 km Marke nach Santiago unterschritten, damit ist es ab sofort nur noch zweistellig ist. Gleich zwei Gründe zu feiern. Und wie, natürlich mit einem Feiertag beziehungsweise einem „Frei-tag“, aber morgen ist Mittwoch… Bevor es jetzt zu albern wird, ich gönne mir morgen einen Pausentag und habe wohlweislich schon in Deutschland ein Zimmer gebucht. Denn in der Stadt Lugo etwas Preiswertes und gleichzeitig Vernünftiges zu finden ist nicht so einfach. Morgen werde ich mir dann in Ruhe Lugo anschauen und meinen pilgerfreien Tag genießen. Meine Beine meinten auch, das wäre ok für sie. 😉

In diesem Sinne wünsche ich allen einen schönen Feierabend und ein bisschen Ruhe.☺️

Das Stadttor von Logo. Was ist damit auf sich hat, erzähl ich euch morgen.😉

Tag 9: Castroverde – Lugo, Kilometerpaten: Waltraud „Walli“ Höftmann und Steffi Borrmann
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